Paraden

….Es ist auffällig, dass der Anspruch – Gesichter, Charaktere, Persönlichkeit zu entdecken, sie aus der Masse herauszufiltern – auch hier , wo Masse schon wieder als Peron auftritt, nicht fallengelassen wird. Mitunter scheint er intensiviert, denn wo gemüternivellierende Viervierteltakte mentale Zwangsvereinigung erdröhnen, scheint das Auge in Verlängerung durch die Kamera geradezu sensibilisiert auf die Entdeckung unverwechselbarer Physiognomien unter dem Sound uniformer Rhythmen und Klänge.
Was interessiert den ausgewiesenen Porträtisten, dem das Erspüren inneren Wesens und Leben s über Gesicht und Gesichter elementares Arbeitsprinzip ist, an Masse, Ansammlung Hundertausender, wo Anonymität sich zur Existenzweise des Einzelnen Aufschwingt? …

Reinhard Hofmann
aus „Parade“, 1998

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